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Der Nachzügler - oder - Die Draisine.
Von Reinhard Jos Bäker.
“Wohl dem, der mehr hat als seine Augen, mehr als seine Logik und seine Mathematik. Glückselig der, der mühelos reifen konnte. Aber wohl auch uns, die wir Zeit unseres Lebens gefragt, gesucht und geirrt haben, wohl uns, wenn wir auch als Wrack noch in den Hafen einlaufen und am Fuß des Leuchtturms stehen oder liegen, den unser inneres Auge immer erblickt hatte”. (Alfred Döblin).
Schon seit einiger Zeit bedrängte mich das ungute Gefühl die Wahrheit verkannt, falsche Entscheidungen getroffen und die wichtigsten Dinge im Leben verpasst zu haben. So träumte ich eines Nachts, ich befände mich in einem tristen Vorstadtbahnhof, um einem gerade anfahrenden Zug hinterdrein zu eilen. In den hell erleuchteten Abteils sah ich die zufriedenen Gesichter redlicher Menschen, die beizeiten den rechten Zug bestiegen hatten. Als rannte ich um die letzte Chance meines Lebens, versuchte ich verzweifelt den anfahrenden Zug zu erreichen. Aber – er wurde schneller und entschwand langsam in der Ferne. Traurig über die verpasste Chance lief ich noch eine Weile an den Schienen entlang. Während ich noch verzweifelt die Bitte gen Himmel schickte, mir doch einen Ausweg aus meiner verfahrenen Situation zu weisen, drang aus der Entfernung Lärm und Getöse an mein Ohr.
Schon bald näherte sich auf den Schienen ratternd und quietschend eine Draisine. Auf diesem wackeligen Vehikel, welches wohl schon vor langer Zeit seinen eigentlichen Dienst eingestellt hatte, standen vier wilde Gestalten. Zerzaust, langhaarig und bärtig bewegten sie mit kraftvollen Bewegungen die langen Antriebshebel auf und nieder. Nachdem dieses Ungetüm direkt vor mir zum Stehen kam, sprach einer mit furchterregend lauter Stimme meinen Namen. Setzte dann fort: “Auch wir haben die Wahrheit nicht erkannt, Lügen zu Göttern erhoben und den Zug des Lebens verpasst. Steig zu uns hinauf, helfe uns dem Verpassten zu folgen. Mit weichen Knien erklomm ich das Vehikel. Einer der Männer drängte mich das freie Ende eines langen Hebels zu ergreifen und nach Kräften meinen Teil zur Fortbewegung beizutragen. Nun stehe ich hier oben auf diesem wackeligen Hoffnungskarren der Verlorenen und versuche dem Zug der Glückseligen zu folgen. Man glaube mir mein Versprechen: Von nun an werde ich nach Kräften die rechten Hebel bewegen, um der Wahrheit zu folgen. Ich will all jenen Mut zusprechen, welche glauben ihr Leben verwirkt zu haben. Den Trauernden, den Gescheiterten, den Verlorenen reiche ich meine Hand.
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