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Grundprinzipien und Muster der Natur.
Von Reinhard Jos Bäker.
Wer aufmerksam in die Welt schaut, entdeckt wiederkehrende Prozesse, Muster und Formen, die sowohl auf geistiger, wie auf materieller Ebene eine Art Grundstruktur des Universums abbilden. Im nachfolgenden will ich einige dieser elementaren Grundprinzipien etwas näher betrachten, weil sie in meinen Ausführungen immer wieder auftauchen werden. Meine Thesen in der nachfolgenden Niederschrift greifen auf diese Grundprinzipien und Muster der Natur zurück, um ein Herleiten religiöser Narrative aus naturgesetzlichen Gegebenheiten zu ermöglichen. Auch wir Menschen sind physisch und psychisch nach diesen Prinzipien aufgebaut und, vertraut man religiösen Erzählungen, wurden wir ja schließlich nach dem Vorbild Gottes geschaffen.
1. Einheit. Noch vor Beginn eines initialen, wie auch immer verlaufenden Starts des Universums, oder aus religiöser Sicht, der Schöpfung, war Einheit. Einheit im Sinne einer inhärenten, in höchster Harmonie geordneten, unendlichen Vielfalt kleinster Elemente.
Nach naturwissenschaftlicher Lesart ist das Urmedium des Universums Energie. Das Wesen von Energie ist Information. Sie besitzt weder Zeit noch Raum, ist nur in ihrer Projektion im die Materie hinein wahrnehmbar. Noch vor dem initialen Urereignis des Universums, vulgär als Urknall bezeichnet, lag also die gesamte Energie des Universums als Informationspotential zur Umsetzung bereit. Der Physiker Carl Friedrich von Weizäcker befand, der Urdualismus von Materie und Energie zu Beginn des Universums sei lediglich eine mögliche Manifestationsform von Information. Am Anfang war also Information, oder biblisch: Am Anfang war das Wort ..... . Zu Beginn war also Information - oder - Am Anfang war - als Ausdruck des Geistes Gottes - das Wort. Information ist der fundamentale Baustein des Universums. Sie benötigt zwingend ein Ordnungsprinzip. Und dieses ist ebenfalls Voraussetzung für die Entstehung von Bewußtsein.
Für die Einser-Schüler in Physik unter uns: Aus einer unendlichen Fülle an Informationen im Sinne der Entropie, wurde unter Einsatz eines vorbildhaften Ordnungsprinzips dasjenige Universum geschaffen, welches die Ausbildung eines denkenden Bewußtseins, den Menschen, überhaupt erst möglich machte. (Anthropisches Prinzip). Schon vor dem “Urknall” muß also zwingend ein überragend befähigtes Bewußtsein existent gewesen sein. Diese Voraussetzung wandelt die mehr oder weniger zufällige Entstehung des Universums zu einer Schöpfung mit Zielsetzung durch ein überragend befähigtes Bewusstsein. Aus Christlicher Sicht ist Jesus Christus das Vorbild für den Menschen, der seit Anbeginn der Schöpfung prototypisch als Entwicklungsziel für den idealen Menschen genannt wird.
2. Expansion - Kontraktion.
Seit diesem initialen Urereignis zum Start des Universums befindet sich das Universum in einer beschleunigten Expansionsbewegung. In einer explosionsartigen Umwandlung von Energie in Materie entstehen Raum und Zeit. Zur Beschleunigung der Expansion muss zwingend eine ständige Kraft anliegen, die das Universum auseinandertreibt. Eine einmalige Urexplosion ist für diesen Zweck nicht ausreichend. Gleichzeitig wirken offenbar Kräfte, die in entgegengesetzter Richtung bestrebt sind, die entstandenen Einzelteile wieder zusammenzufügen. Die Gravitation ist wohl die markanteste Gegenkraft zur Expansion des Universums. Doch sie allein reicht nicht aus, um ein Gleichgewicht von Expansion und Kontraktion zu gewährleisten. Bis heute rätselt die Wissenschaft über dieses Phänomen. Ein weiteres ungelöstes Rätsel ist die ungleiche Verteilung von Materie und Antimaterie im Universum. Es scheint, als sei dies genau das Maß an Unvollkommenheit, welches die Existenz des Menschen überhaupt erst möglich macht.
3. Differentiation - Integration. Ein weiteres, grundlegendes Prinzip in der Natur ist das Baumprinzip. Ausgehend von einem mächtigen Stamm verzweigt das Astwerk in immer feinere Strukturen bis hin zu einer Peripherie, an der durch Blätter und Blüten Nährstoffe und Informationen mit der Umwelt ausgetauscht werden. Eine Entsprechung gibt es im Wurzelwerk des Baumes. Während Wurzeln für eine feste Verankerung im Boden sorgen und über die Verästelungen der Wurzelstränge dem Stamm Wasser und notwendige Nährstoffe aus dem Erdreich zuführen, der mächtige Stamm Äste und Zweige beieinander hält, nutzen Blätter und Blüten die Freiheit der Lüfte zur Entfaltung und Kommunikation mit der Umwelt. Keines der Details kommt ohne das andere aus, nur der Baum in seiner Gesamtheit ist lebensfähig. Ob Blutkreislauf oder Nervenbahnen, ob Wasserkreislauf oder Pflanzenaufbau, alle diese Naturphänomene folgen dem Prinzip einer zunehmenden, immer feiner werdenden Verästelung zum Zweck der Gewinnung von Informationen und der Verbreitung notwendiger Energien bis hinein in die verstecktesten Winkel des Organismus. Selbst der Mensch scheint über Körper, Arme und Beine, bis in die Verästelungen der Finger und Zehen diesem Prinzip zu folgen. Und auch in den Naturwissenschaften ist ein differenzierendes Vordringen in die Details des Forschungsobjektes mit anschließender Integration der Ergebnisse zu neuen Erkenntnissen als Analyse und Synthese die übliche Vorgehensweise.
Last but not least finden sich beschriebene Strukturen in Körperschaften der Politik, der Wirtschaft und Verwaltung wieder, entweder als durchlässige Ordnungshierarchie, nicht selten aber auch als durchgreifende Befehlshierarchie zum Zwecke der totalitären Herrschaft.
In der Mathematik ist die Infinitesimalrechnung als das Betrachten unendlich kleiner Teile mit anschließender, sinnvoller Zusammenfassung als Differenzial- und Integralrechnung bekannt.
Auch auf die Gefahr hin, nunmehr in die Phantasterei abzugleiten, möchte ich folgendes Denkmodell kreieren: Ein Ei steht derart labil auf der Schneide eines Messers, daß die Entscheidung, ob es auf der einen oder anderen Seite herunterfällt, ein reiner Zufall ist. Desweiteren sei die Versuchsanordnung so extrem labil, dass bereits ein Gedanke ausreicht, den Fall auf eine vorbestimmte Seite zu provozieren. Nicht vorstellbar? Die Quantentheorie beschäftigt sich u.a. genau mit diesem Phänomen, nämlich daß in der Welt kleinster Energieeinheiten rein zufällige Entscheidungen allein durch Messung einer Ausrichtung zugeführt werden. Denkbar wäre es, daß genau hier die Schnittstelle zwischen Geist und Materie, zwischen geistigem Schöpfungspotential und seiner Umsetzung in die Materie zu finden ist. Ein aus Menschensicht zufälliges, chaotisches Potential wird im Moment der Projektion durch die aktuelle Anforderung einer Ausrichtung zugeführt. Im Klartext bedeutet dies, daß jede Erscheinung in der Schöpfung nicht aus Zufall, sondern aus einer Notwendigkeit heraus entsteht. Der einzelne Mensch ist kein Zufallsprodukt, sondern ein, aus einem universellen Energiepotential heraus, in diese Welt hinein projiziertes, notwendiges und erwünschtes Individuum.
4. Projektion - Reflexion.
Ich bin geneigt, dieses vorbildhafte, universelle Bewußtsein vor dem Urknall, noch vor Beginn der Schöpfung, vorläufig mit Gott zu bezeichnen. Es bleibt festzuhalten: Das Universum entstand nicht aus einer chaotischen “Ursuppe” heraus, in der durch Zufall ein lebensfähiges Ordnungssystem entstand, sondern das Universum und damit das Leben ist die Folge der Projektion eines allumfassenden Bewußtseins und dessen Ordnungsprinzipien in die Zerklüftungen und Verwerfungen einer niedereren Ordnungsstufe hinein. Mit einfacheren Worten: Gott projiziert sich selbst in seine eigene Schöpfung hinein, um sich in der Vielfalt der Natur aus nur allen erdenklichen Perspektiven heraus reflektiert zu sehen. Gott stellt sich quasi vor einen, von ihm selbst geschaffenen Spiegel, so wie auch wir Menschen einen Spiegel nutzen, um uneinsichtige Körperregionen einsehen zu können. Projektion und Reflexion dienen dem Hinzugewinn von Informationen und damit der Mehrung von Bewusstsein.
5. Dualismus Ein weiteres grundsätzliches Naturprinzip ist der Dualismus materieller und geistiger Erscheinungsformen. Licht ist nur im Hintergrund der Dunkelheit wahrnehmbar. Wärme und Kälte, Schmerz und Wohlempfinden, letztendlich Wohl und Wehe, Gut und Böse sind Phänomene, die nur im Kontrast zu ihren Gegensätzen wahrzunehmen sind. Dieses bereits perinatal, also vor, während und nach der Geburt, als Grundlegung des menschlichen Bewußtseins auftretende Phänomen, führt bei weiterer Betrachtung zum initialen Urereignis überhaupt, der Geburt unseres Universums, auch als Urknall bezeichnet. Ein vor dem Urereignis vorhandenes Energiepotential, als Informationspotential also eine rein geistige Größe, wandelt sich in einem explosiven Ausdehnungs- und Abkühlungsprozess in massebehaftete Materie. Es ensteht der Urdualismus zwischen Geist und Materie.
6. Komplementarität. Das materielle Universum ist also die Projektion eines geistigen Potentials. Sie bedingen einander und bilden eine komplementäre Einheit. Das heißt, Geist und Materie bilden zwei Extrempole, zwischen denen das Mehr des einen ein Weniger des anderen bedeutet. Dieser ursprünglichste aller Gegensätze, der komplementäre Gegensatz von Körper und Geist, ist im weiteren Verlauf der Entwicklung Grundlage für Wissen, Weisheit, Logik und Vernunft, letztendlich für die gesamte Schöpfung selbst. In der näheren Umgebung des Urknalls spielt Zeit keine Rolle. Die völlige Gleichzeitigkeit aller Erscheinungen ist festzustellen. Die zwingende Konsequenz dieses Phänomens lautet dann: Der Schöpfungsakt ist immerwährend, ist kein hintereinander, sondern ein parallel ablaufender Prozess. Für uns, die in die Zeitlichkeit geworfenen Menschen, bedeutet dies der Nachvollzug der gesamten Schöpfung in unserer Entwicklung. Ausgehend von der ersten Zellteilung durchlaufen wir alle Entwicklungsstufen des Lebens, bis wir dann, auf den aktuellen Entwicklungsstand des Menschen gebracht, das Licht der Welt erblicken. Sodann durchlaufen wir ausgehend vom “Urknall der Geburt” alle Stufen der geistigen Entwicklung, von ersten, grundlegenden Gefühlserfahrungen, bis hin zur Ausschöpfung des intellektuellen Potentials, zu dem uns Körper und Geist befähigen. So sind wir ständiger Ausfluss aus der Urquelle allen Seins, reifend in Geist und Körper. Folglich ist der erste und ursächlichste aller Gegensätze der vermeintliche Gegensatz zwischen Körper und Geist. In diesem Zusammenhang wäre ein weiteres Dualismus-Phänomen zu nennen. Es ist dies die weitgehende Komplementarität von Bewußtsein und Unbewußtsein. Diese sind Denkvorgänge, die sich komplementär ergänzen. Das heißt, je mehr Bewußtsein in einem Denkprozess eintritt desto geringer wird das Unbewusstsein oder auch, je größer das Wissen, desto geringer die Unwissenheit. Ich erlaube mir, in eigener Definition, das Feld der Komplementarität zwischen den Extremen Bewusstsein und Unbewusstsein, mit Unterbewusstsein zu bezeichnen.
7. Entropie. Als weiteres ein Phänomen aus der Physik, welches man analog zum irreversiblen Vorgang der Bewußtwerdung betrachten könnte. Als Entropie bezeichnet man - in einer sehr einfachen Definition - das Phänomen, dass hochenergetische Systeme sich verlustbehaftet stets in Richtung niedrigenergetischer Systeme entladen. Fällt eine Tasse vom Tisch und zerbricht, ist eine Rückkehr in den unzerbrochene Zustand ohne erheblichen Energieaufwand nicht mehr möglich. Öffnet man die Tür zwischen einem warmen und einem kalten Raum, so gleichen sich warme und kalte Luft so lange aus bis in beiden Räumen die gleiche Temperatur herrscht. Die Umkehrung dieses Prozesses ist ohne Arbeitsaufwand nicht möglich. Der Überdruck eines pneumatischen Windkessels entlädt sich durch Umwandlung der Druckenergie in Arbeit, beispielsweise die eines Druckluftschraubers, bis hin zum Druckausgleich mit dem Atmosphärendruck. Nur durch den erneuten Arbeitsaufwand eines Kompressors läßt sich das Energiegefälle zwischen Kessel und Atmosphäre erneut herstellen. Bei Übertragung dieses physikalischen Phänomens auf das Phänomen der Bewußtwerdung unbewußter Denkinhalte, dann ist auch hier die Unumkehrbarkeit des Bewusstwerdungsprozesses festzustellen. Der Überdruck des Unbewußten hat den stark auffordernden Charakter der Bewusstwerdung. Der Versuch unangenehme, bewußte Inhalte im Gegenzug erneut in das Unbewußte zu verdrängen, ist mit erneutem hohem Energieaufwand verbunden. Verdrängte Inhalte des Bewusstseins gelangen sodann ungeordnet zurück in das Unterbewusstsein und lauern dort auf erneute Bewusstwerdung.
8. Schwingungen. Das elementare Bewegungsmuster in diesem Universum sind Schwingungen, das Hin- und Herpendeln zwischen zwei Polaritäten. Bis hin zu den Elementarteilchen befindet sich alles und jedes in diesem Universum in einem Schwingungszustand. In weiten Teilen der Wissenschaft wird als Urzustand, noch bevor ein initialer, wie auch immer verlaufender Werdensprozess einsetzt, ein in vollkommener Harmonie befindliches Gleichgewicht an potentieller Energie vermutet. Es ist anzunehmen, dass im Urgrund allen Seins, noch vor der Schöpfung, die vorhandenen Ur-Informationen in nahezu vollkommener Harmonie zwischen zwei Ja / Nein - Alternativen hin und her pendelten. Der Deutsche Physiker Carl-Friedich von Weizäcker stellte in seiner Informationstheorie fest, die Entscheidung zwischen Energie und Materie sei eine Manifestationform der Information. Diese sog. Abstrakte Quantentheorie Weizäckers spricht zunächst noch nicht von Teilchen, sondern lediglich von Alternativen in einem Ur-Zustand. Man könnte auch sagen: Ur-Alternativen repräsentieren den Informationsgehalt einer möglichen Ja-Nein-Entscheidung. Weizäcker benannte eine einzelne dieser Entscheidung mit einem “Ur”, ein logischer, kein räumlicher Atomismus. Das Universum würde wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit in seinem Urzustand vor sich hin schwingen, wäre da nicht bereits ganz zu Beginn eine Unregelmäßigkeit aufgetreten, hätte da nicht eine erste Disharmonie für ein Ungleichgewicht in der Harmonie der Schwingungen gesorgt. Die Entstehung der Atome hätte in gleichem Maße Materie und Antimaterie hervorbringen müssen. Diese hätten sich im Augenblick ihrer Entstehung, aufgrund ihrer gegensätzlichen Ladung, sofort wieder eliminieren müssen. In unserem Universum scheint nun einzig die Materie überlebt zu haben, sodass auch die Existenz der Menschen die Folge eines winzigen Ungleichgewichts im Urzustand der Schöpfung sein dürfte. Ein verschwindend geringer Anteil an Disharmonie durchbrach also die Regelmäßigkeit der Schwingungen, um in einem explosionsartig verlaufenden Prozess das Ur-Gleichgewicht zurück zu gewinnen. Ist jedoch bereits im Urzustand eine Unregelmäßigkeit im Gleichgewicht zu verzeichnen, dann muss dieses Ungleichgewicht zwangsläufig auch im weiteren Verlauf der Schöpfung sichtbar werden. Und so ist es dann wohl auch. Die grundsätzliche Symmetrie lebender und pflanzlicher Körper zeigen immer wieder leichte Abweichungen von der Idealform. Schmetterlingsflügel entfalten ihre Farbenpracht symmetrisch, niemals aber identisch. Auch der menschliche Körper besitzt eine deutliche Spiegelfläche, die unseren Körper, zumindest äußerlich, in zwei spiegelgleiche Hälften teilt. Die Details sind dabei ähnlich, niemals aber deckungsgleich. Das gesamte Universum und darin die Menschheit, sind auf der Suche nach der verloren gegangenen Einheit. Die Unvollkommenheit des Urzustandes strebt in der Schöpfung nach Vollkommenheit. Zu diesem Zweck wird immer wieder das Alte abgebaut, um ein vollkommeneres Neues zu schaffen. Dies ist wohl ein ewiger Kreislauf, denn Werden und Sein finden zeitgleich statt, sind im Grunde die zwei Seiten ein und derselben Medaille. Im Sein ist das Werden enthalten und im Werden ist das vollkommene Sein als Zielvorgabe bereits vorhanden.
9. Harmonie. Eine Schwingung wird als harmonisch bezeichnet, wenn die Auslenkungen um einen mittleren Gleichgewichtszustand herum mit einer mathematischen Sinusfunktion beschrieben werden kann, also eine exakte Regelmäßigkeit besitzt.
Schon die antiken Griechen wunderten sich über die präzise Regelmäßigkeit der Planetenbewegungen. Sie maßen diesen Bewegungen harmonische Melodien zu, denn Sie glaubten, dass ähnlich den Körpern auf der Erde, die bei Bewegung im Wind Geräusche verursachen, auch die Planeten Geräusche erzeugen müssten, wenn sie sich durch den himmlischen Äther bewegen. Mit dem Wechsel vom geozentrischen hin zum heliozentrischen Weltbild fand die kosmische Harmonielehre durch Johannes Keppler nochmal zu einem Höhepunkt. Auf der Suche nach kosmischen Ordnungsprinzipien, vermutete er im Heliozentrischen Weltbild einer Widerspiegelung göttlicher Ordnungsprinzipien in Gestalt bestimmter geometrischer Verhältnisse, die er Harmonien nennt. Für Keppler ist Gott die Urharmonie im Universum. Auch Keppler verknüpfte die Harmonie der umeinander kreisenden Himmelskörper mit musikalischem Wohlklang. Aber auch die Kepplersche Harmonielehre zeigte Makel als dessen planetare Gleichgewichtszustände durch Entdeckung weiterer Planeten zusammenbrach. Auch alle Versuche die kosmische Harmonie der Planetenbahnen mathematisch zu erfassen, scheiterten daran, dass entweder Planeten sich am falschen Ort befanden oder sich Lücken auftaten, wo sich nach den Berechnungen Himmelskörper hätten befinden müssen. Auch hier wieder ein Hinweis auf die disharmonische Unvollkommenheit von Schöpfung und Universum als Projektion der ungleichgewichtigen Startbedingungen.
Mit der Entdeckung der Farbspektren, wie sie z.B. für den Wasserstoff im Regenbogen sichtbar wird, fand die Suche nach kosmischer Harmonie Eingang in die Farbenlehre. Es gibt Farbkombinationen, die im Menschen ein besonderes Wohlgefühl erzeugen.
Und schließlich Albert Einstein, die Wissenschaftskoryphäe an und für sich, sah Harmonie als elementares Ordnungsprinzip des Universums, welche er - unvollendet - in einer mathematischen Weltformel zu erfassen suchte.
Wir normale Menschen fühlen Harmonie wahrscheinlich am ehesten im Wohlklang der Musik und der schönen Künste. Die ungezählten Liebesarien z.B. in Mozarts Opern, mögen einen kleinen Hinweis geben, auf die Macht der Harmonie in der Tiefe der menschlichen Seele.
Eine erste Definition für das Göttliche ist also eine unendliche Vielfalt, die am Urgrund allen Seins, noch vor dem Beginn der Schöpfung, in vollendeter Harmonie zur Einheit findet. Nähern wir Menschen uns Gott an, empfinden wir die göttliche Harmonie als durchdringendes Wohlgefühl. Übertragen wir dieses Gefühl auf einen anderen Menschen, empfinden wir dies als Liebe. Gott gibt keine Liebe, Gott nimmt keine Liebe, Gott ist die Liebe - der erste Hauptsatz im Leben eines Christenmenschen.
10. Symmetrie. Als Symmetrie wird die geordnete Wiederholung annähernd deckungsgleicher Muster und Körper bezeichnet, die irgendwie aufeinander bezogen in Erscheinung treten. Ein Sonderfall der Symmetrie ist die Spiegelsymmetrie, die auffallend oft in der Pflanzen und Tierwelt auftritt. In der Geometrie bildet die Kugel die Idealform allseitiger Symmetrie. In Biologie und Chemie gilt die Symmetrie von Mustern in molekularen Gitterstrukturen als der Basisbaustein für Pflanzen und Kunststoffprodukte.
11. Vollkommenheit. In der Vollkommenheit schließt sich der Kreislauf der Schöpfung. Alles wieder auf Anfang? Nicht ganz, denn der Sinn der Schöpfung des Universums ist Hinzugewinn an Informationen und damit an Energie oder religiös ausgedrückt - Geist. Damit ähnelt dieser Kreislauf weniger einem Kreis als eher einer Spirale, ein Sonderfall der Symmetrie und ein häufig wiederkehrendes Muster in Mikro- und Makrokosmos. Alles in diesem Universum strebt nach Perfektion und Vollkommenheit. Vollkommenheit ist der Urzustand des Universums am Anfang aller Werdensprozesse. Es scheint, das Universum versucht durch seine Entwicklungstufen hindurch die Ausgangssituation wiederherzustellen zu wollen. Dabei ist die explosive Expansion des Universums eine Projektion des anfänglichen Ungleichgewichts im Urzustand der Energie. Prallen Materie und Antimaterie aufeinander, so gibt es eine gewaltige Explosion, die zur gegenseitigen Auslöschung führt. Gilt der Satz Weizäckes, dass Energie und Materie zunächst lediglich Informationen sind, dann bestand bereits am Urgrund allen Seins ein Ungleichgewicht an Ja/Nein - Informationen. Die Folge: Am Anfang bestand ein Informationsdefizit, welches mit der Schaffung eines Universums ausgeglichen werden sollte. Mit anderen Worten, das Universum dient dem Hinzugewinn von Informationen und damit von Energie. Religiös formuliert: Gott ist reiner Geist. Will er in dieser Welt agieren, braucht es materielle Erscheinungsformen. Gott schuf Natur und Kosmos, um sich selbst in einem ewigen Kreislauf zu bestätigen und zu perfektionieren. In der Zeitlosigkeit göttlichen Seins aber gibt es keine Zeitabfolge. Werden und Sein sind dabei ein und dasselbe, die zwei Seiten der gleichen Medaille, die da Gott heißt. Göttliches Sein aber heißt Bewußtsein. Träger des Bewusstseins ist das Leben. Ein Spitzenprodukt zur Reflexion des göttlichen Bewusstseins ist der Mensch.
Auch der Mensch, bestehend aus Körper und Geist, ist nach den oben beschriebenen Mustern und Prinzipien aufgebaut. Äußerlich ein Rumpf, der sich über Arme und Beine bis in Finger und Zehen verzweigt. Innerlich Blut- und Nervenbahnen, die ebenfalls dem Baumprinzip folgend, sich differenzierend immer weiter verzweigen. Eine Spiegelfläche teilt den Körper in zwei unvollkommen spiegelsymmetrische Hälften. Beide Körperhälften ergänzen sich erneut zu einer funktionierenden Einheit. So wie der gesamte Kosmos nach Perfektion und Vollkommenheit strebt, strebt auch der Mensch in Körper und Geist zur höchsten Vollkommenheit. Wissenschaft und Kunst mögen Auskunft geben, inwieweit dies bereits gelungen ist.
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